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Mitgliederversammlung
E.ON Kraftwerke, E.ON Avacon und E.ON Energy
Über 100 interessierte Gäste ließen
sich von Prof. Thijs van Kolfschoten
über die Arbeit eines Archäozoologen informieren.
Prof. Harald Meller begrüßt im Landesmuseum für Vorgeschichte
in Halle
Führung durch das Landesmuseum
Führung durch das Landesmuseum
Führung im Besucherzentrum
Arche Nebra
Der Mittelberg – Originalfundplatz
der Himmelsscheibe von Nebra
Universität Tübingen
Universität Tübingen
Universität Tübingen
Mitgliederversammlung 2010:
Vorstand einstimmig für weitere drei Jahre gewählt – Projektleiterin stellte Pläne vor
Auf eine mehr als erfolgreiche Arbeit konnte der Vorstand des Fördervereins Schöninger Speere – Erbe der Menschheit e.V. auf seiner diesjährigen Jahreshauptversammlung verweisen. Einstimmig wählten die über 80 anwesenden Mitglieder den Vorstand für weitere drei Jahre. Begeisterter Applaus war im Vorfeld einem Resümee der vergangenen Amtsperiode gefolgt, in dem der 1. Vorsitzende Dr. Wolf-Michael Schmid von den ereignisreichen Entwicklungen seit dem Jahr 2007 berichtete. Innerhalb kürzester Zeit war es nach Amtsantritt gelungen, durch die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie die Grundlage für die Realisierung des nun in Planung befindlichen Forschungs- und Erlebniszentrums zu schaffen. Befürworter aus Bürgerschaft, Wirtschaft und Politik wurden gewonnen, Kritiker des Projektes von dessen Nachhaltigkeit überzeugt. „Heute befinden wir uns in der Planungsphase und konnten den europaweit ausgeschriebenen Architektenwettbewerb bereits auswerten“, so Dr. Wolf-Michael Schmid. Sowohl er als auch Schöningens Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier lobten die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Verein und Stadt.

Und so nahm im Anschluss die Projektleiterin Dr. Gabriele Zipf die Gäste mit auf einen ersten virtuellen Rundgang durch das Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere. In ihrem Vortrag erörterte sie anhand der Pläne des Büros „Holzer Kobler Architekturen“ die Raumaufteilung, die geplante Außenanlage, die Einbindung in die Landschaft. Das Gebäude biete Platz für einen ausgedehnten Forschungsbereich, Veranstaltungen und Sonderausstellungen. Viele interessierte Fragen und begeisterte Zustimmung folgten der Präsentation im Herzoginnensaal des Schöninger Schlosses.

Bildunterschrift (v. li.): Eckhard Hoßbach (2. stellv. Vorsitzender), Waltraud Rybotycky (Schriftführerin), Peter Link (Kassenwart), Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier, Projektleiterin Dr. Gabriele Zipf, Beirat Professor Hansjürgen Müller-Beck, Dr. Wolf-Michael Schmid (Vorsitzender), Rolf-Dieter Backhauß (1. stellv. Vorsitzender).

Schöningen, 1. Oktober 2010
Die drei E.ON-Gesellschaften in Helmstedt spenden auch in diesem Jahr insge-samt 21.000 Euro dem Förderverein Schöninger Speere:
Auch in diesem Jahr haben die drei Helmstedter E.ON-Gesellschaften E.ON Kraftwerke, E.ON Avacon und E.ON Energy from Waste sich abgestimmt, dem Förderverein Schöninger Speere jeweils 7.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Alle drei Unternehmen sind dem Projekt auf verschiedene Weise über lange Jahre positiv verbunden und möchten mit ihrer Unterstützung die Vorbereitungen für den Bau des geplanten Erlebniszentrums „Schöninger Speere“ weiterhin aktiv unterstützen.
„Die über Jahre gewachsene Kooperation mit den drei E.ON-Gesellschaften ist für den Förderverein Schöninger Speere eine wichtige Unterstützung bei der Verfolgung seines Ziels, das Wissen um die bedeutsamen archäologischen Schöninger Funde zu vermitteln“, betonte Dr. Wolf-Michael Schmid, Vorsitzender des Fördervereins.
„Die Planungen für das Forschungs- und Bildungszentrum laufen unter Hochdruck, um die Fertigstellung bis 2012 zu realisieren“, berichtete Schöningens Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier. Beispielsweise stehe der europaweit ausgeschriebene Architektenwettbewerb kurz vor einer Auswertung.
Übergeben wurde der Scheck in Höhe von 21.000 Euro von Helmut Wensing, Leiter des Helmstedter Reviers der E.ON Kraftwerke GmbH, Veronika Keller-Lauscher, Personalvorstand der E.ON Energy from Waste AG, und Matthias Herzog, Technik-Vorstand von E.ON Avacon.
„Wir sind sehr stolz darauf, dass der Tagebau Schöningen in der archäologischen Forschung eine bezeichnende Rolle spielt“, erklärte Helmut Wensing. „Wie wir von den vor Ort arbeitenden Wissenschaftlern gelernt haben, ist die Schichtenabfolge, die sich über 12 Millionen Jahre erstreckt, in dieser Deutlichkeit sehr selten.“
Die Speere, die 1994 auf Tagebaugelände der alten BKB, jetzt E.ON Kraftwerke/Helmstedter Revier, gefunden wurden, sind ein bedeutendes Zeugnis für die bisher unbekannte handwerkliche Geschicklichkeit der urmenschlichen Vorfahren. Seit vielen Jahren unterstützt die E.ON Kraftwerke GmbH/ Helmstedter Revier, vormals BKB Aktiengesellschaft, die archäologischen Grabungen und Forschungen mit zahlreichen Sachleistungen. Dazu gehört beispielsweise die Gestellung von Baumaschinen mit dem entsprechenden Personal. Und es wurde sogar in der Vergangenheit in einzelnen Teilstücken der Abbau der Kohle eingestellt, damit die Forschungen dort ungestört vollzogen werden konnten. Aktuell bekommt ein Team des Senckenberg-Instituts Frankfurt Hilfe beim Bergen Millionen Jahre alter Palmenstümpfe und Seegrasfelder.

„Der Tagebau prägt das Helmstedter Revier. Und die dort gefundenen Holzspeere veränderten sogar die Geschichte der Menschheit“, sagte Veronika Keller-Lauscher. Daraus habe die Wissenschaft ganz neue Erkenntnisse über die Lebensweise des Urmenschen in Europa gewinnen können. „Dieses Wissen darf nicht im Verborgenen bleiben. Es muss einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar gemacht werden. Dies sichert auch künftig die Arbeits- und Lebensperspektiven in der Region.“
„Die parallele Unterstützung für das Projekt Schöninger Speere ist ein gutes Beispiel für die regionale Verbundenheit aller drei örtlichen E.ON-Gesellschaften“, sagte E.ON Avacon Technik-Vorstand Matthias Herzog. „Als Energienetzbetreiber haben wir als E.ON Avacon keinen eigenen Tagebau, in dem wir nach weiteren sensationellen Funden suchen können. Wir unterstützen den Förderverein Schöninger Speere dafür aber seit dem Jahr 2004 regelmäßig mit finanziellen Mitteln.“
Bildunterschrift: von links: E.ON Avacon Technik-Vorstand Matthias Herzog, Schöningens Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier, Personalvorstand der E.ON Energy from Waste AG Veronika Keller-Lauscher, 1. Vorsitzender des Fördervereins Schöninger Speere e.V. Dr. Wolf-Michael Schmid, Leiter des Helmstedter Reviers der E.ON Kraftwerke GmbH Helmut Wensing, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Schöninger Speere e.V. Rolf-Dieter Backhauß
Förderverein Schöninger Speere – Erbe der Menschheit e.V. unterstützt mit einer namhaften Spende die Dokumentation der Schöninger Speere

Die mehr als 300.000 Jahre alten Speere aus dem Tagebau bei Schöningen sind die ältesten hölzernen Jagdwaffen der Welt. Unter Luftabschluss im feuchten Boden konserviert überdauerten sie nahezu unversehrt die Jahrtausende. Ihre wissenschaftliche Bearbeitung und Dokumentation ist eine Pionierleistung ausgewiesener Spezialisten, die mit größter Sorgfalt und moderner Technologie diese einzigartigen Objekte untersuchen und für die Nachwelt erhalten. Eine Spende des Fördervereins Schöninger Speere – Erbe der Menschheit e.V. unterstützt maßgeblich diese Arbeiten am Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.
Der Förderverein Schöninger Speere – Erbe der Menschheit e.V. engagiert sich seit seiner Gründung im Jahr 2000 intensiv für das archäologische Forschungsprojekt des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege im Braunkohletagebau in Schöningen. Mit der STIFTUNG NORD/LB - ÖFFENTLICHE weiß der Förderverein seit einem Beschluss des Stiftungsvorstandes im Oktober 2007, den Förderverein bei seiner Arbeit finanziell zu unterstützen, einen weiteren wichtigen Partner an seiner Seite: Die Stiftung treibt seitdem aktiv den Wissenschaftstransfer und die regionale Vernetzung des Projekts voran. Das Zusammenwirken beider Institutionen ermöglichte nun eine Spende von 40.000 EUR, die das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege für holzanatomische Untersuchungen und hoch auflösende 3D-Scans der Speere einsetzt.

Mit einem Teil der Mittel kann Herr Werner H. Schoch vom Labor für quartäre Hölzer in Langnau a. Albis (Schweiz) beauftragt werden. Er ist ein weltweit anerkannter Spezialist auf dem Fachgebiet der Anatomie prähistorischer Hölzer und wird die Holzstrukturen der Schöninger Speere bis in den Mikrobereich untersuchen. Zu seinen Zielen gehören naturwissenschaftliche Aussagen wie die Bestimmung der Holzart und die Analyse der Wuchsbedingungen der Hölzer, die einen Beitrag zur Umweltrekonstruktion liefert. Zudem wird er gemeinsam mit dem Ausgräber, Herrn Dr. Hartmut Thieme, die Oberflächen der Speere untersuchen. Denn Bearbeitungsspuren durch den Menschen sind auch von erfahrenen Fachleuchten nicht immer eindeutig von Beschädigungen durch die lange Lagerung im Sediment oder durch Tiere wie Insekten und Biber zu unterscheiden.

Für die Erstellung hoch auflösender 3D-Scans wird der zweite Teil der Mittel eingesetzt. Die detailgenaue dreidimensionale Erfassung der Speere ist für ihre zukünftige wissenschaftliche Bearbeitung sowie für das Monitoring ihrer Konservierung unverzichtbar. Denn in einem nächsten Schritt werden die bislang noch in Wasser getränkten Objekte konserviert und somit in einen dauerhaft stabilen, trockenen Zustand überführt. Die exakte Dokumentation des aktuellen Zustands der Hölzer erlaubt den Restauratoren des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege eine langfristige Überprüfung etwaiger Veränderungen nach der Konservierung. Mit den 3D-Scans werden des Weiteren berührungsfreie Masterkopien als 3D-Ausdrucke möglich. Zukünftige Forscher können somit für viele Untersuchungen die analogen Masterkopien oder die digitalen Daten nutzen und müssen nicht auf die empfindlichen Originale zurückgreifen.

Der Förderverein Schöninger Speere – Erbe der Menschheit e.V. und die STIFTUNG NORD/LB - ÖFFENTLICHE leisten mit ihrem Engagement nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Erforschung und Dokumentation der Speere, sondern schaffen auch die Voraussetzungen für eine adäquate Präsentation der originalen Speere im zukünftigen Forschungs- und Erlebniszentrum rund um die Themen Menschheits- und Klimageschichte in Schöningen.

Bildunterschrift Pressefoto:
Ein Blick über die Schulter des Experten Werner H. Schoch, der den Speer Nr. 6 untersucht (v. li.): Matthias Wunderling-Weilbier (Bürgermeister Stadt Schöningen), Dr. Stefan Winghart (Präsident Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege), Dr. Wolf-Michael Schmid (Vorsitzender Förderverein Schöninger Speere – Erbe der Menschheit e.V.), Dr. Hartmut Thieme (Entdecker der Speere), Gerhard Glogowski (Vorstandsvorsitzender Stiftung NORD/LB Öffentliche), Axel Richter (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Stiftung NORD/LB Öffentliche).
„Die Tierwelt von Schöningen in der Zeit des späten Homo erectus“ –
Niederländischer Wissenschaftler begeisterte voll besetzten Herzoginnensaal
Dem schönsten Sommerabendwetter und der Fußballweltmeisterschaft zum Trotz zog es am 16. Juni so viele Besucher zum Vortrag des niederländischen Wissenschaftlers Prof. Thijs van Kolfschoten, dass der Herzoginnensaal des Schlosses letztendlich bis auf den letzten Platz besetzt war. Der archäozoologische Forscher von der Universität Leiden ist einmal im Jahr mit etwa zehn Studenten bei der archäologischen Grabung in Schöningen aktiv. Der Förderverein Schöninger Speere übernimmt seit mehreren Jahren, die Unterbringungskosten für die jungen Wissenschaftler. Möglich ist dies durch die finanzielle Unterstützung des E.ON-Konzerns.

Auf herzliche Weise bedankte sich van Kolfschoten zu Beginn seines Vortrags beim Verein, der Stadt und den Bürgerinnen und Bürgern dafür, dass es sich immer wie ein Nachhausekommen anfühle, wenn er und sein Team wieder die Stadt der Speere ansteuern. „Viele internationale Wissenschaftler konnten wir bereits in Schöningen begrüßen. Einer von ihnen, Prof. Thijs van Kolfschoten, ist seit vielen Jahren immer wieder zu Gast“, stellte der Gastgeber und Vorsitzende des Fördervereins Schöninger Speere, Dr. Wolf-Michael Schmid, den Referenten vor. Seit 1992 sei er jeden Sommer mit seinen Studenten vor Ort, um die Tierwelt längst vergangener Zeiten zu erforschen.

Wer an diesem Abend einen trockenen Fachvortrag befürchtet hatte, wurde positiv enttäuscht. Anschaulich gab van Kolfschoten einen Einblick in den sensationellen archäozoologischen Fundhorizont des Tagebaus. „Viele seltene Funde geben viele Rätsel auf, revolutionieren so manche bis dahin gültige Annahme“, so der Niederländer. Beispielsweise könne man in Schöningen eine sehr schnelle Entwicklung einiger Arten (z.B. Pferde oder Nashörner) in einem untypisch kurzen Zeitraum nachweisen.
Diese und weitere Erkenntnisse basieren auf der akribischen Arbeit der Studenten während ihres Aufenthaltes in Schöningen. Hier werden Erdschichtproben gesiebt, geschlämmt und später ausgelesen. „Letzteres dauert ein Jahr und geschieht an der Universität Leiden. Vom Stellenwert des hiesigen Fundkomplexes zeugt dort die Fassade unseres Institutgebäudes, an der das Wort „Schöningen“ prangt“, berichtet van Kolfschoten.
In den vergangenen Jahren konnten Knochen- und Gebissfragmente unzähliger kleiner und großer Wirbeltierarten gefunden und bestimmt werden. Mäuse, Nashörner, Waldelefanten, Bärenarten – oft konnten auch seltene Unterarten bzw. Zwischenformen nachgewiesen werden. Viele Funde erlauben eine pathologische Untersuchung, die Aussagen über den damaligen Gesundheitsstatus der Tiere erlauben.

„Ich freue mich sehr, dass unsere Arbeit ebenfalls in das Konzept des Forschungs- und Erlebniszentrums eingebunden wird. Dass wir in den kommenden Jahren weitere sensationelle Funde machen werden, ist gewiss“, schloss er seinen Vortrag. Das unglaublich breite Spektrum des archäologischen Fundkomplexes Schöningen und die interdisziplinären Forschungsmöglichkeiten seien ein weiterer Garant für den Erfolg des Forschungs- und Erlebniszentrums.

Schöningen, 24. Juni 2010
SPEER REPORT
Never seen before - Forschungs- und Erlebniszentrum geht in die konkrete Planungsphase
hier als pdf zum download (PDF-Datei 2 MB)
Mitglieder des Fördervereins auf Recherche in Wangen und Halle – Einblicke in das Projekt „Himmelsscheibe von Nebra“
„Ich freue mich, die Mitglieder eines der wichtigsten deutschen archäologischen Fördervereine Deutschlands willkommen heißen zu dürfen“, begrüßte Professor Harald Meller, Landesarchäologe Sachsen-Anhalts, vor einigen Wochen die Gäste im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Anlass war die Mitgliederfahrt des Fördervereins Schöninger Speere. Die Teilnehmer hatten sich im Hinblick auf das in Kürze in Schöningen entstehende Forschungs- und Erlebniszentrum auf eine Recherchereise nach Sachsen-Anhalt begeben. Professor Meller und seinen Mitarbeitern ist es hier in den vergangenen Jahren gelungen, rund um die aus der Bronzezeit stammende Himmelsscheibe von Nebra ein Ausstellungskonzept zu entwickeln, das jährlich über 100.000 Touristen anlockt.

Im Namen des Vorstandes des Fördervereins begrüßte am Morgen der 2. stellvertretende Vorsitzende Eckhard Hoßbach die Mitglieder, denen sich auch Schöningens Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier und Prof. Hans-Jürgen Müller-Beck angeschlossen hatten. Prof. Müller-Beck gilt weltweit als einer der bedeutendsten prähistorischen Archäologen und ist für den Förderverein Schöninger Speere seit vielen Jahren ein wichtiger Berater.
Am Vormittag stand das Besucherzentrum Arche Nebra in Wangen auf dem Programm. Neben dem Besuch des Planetariums führten die Mitarbeiter durch die Ausstellung und an den Originalfundplatz der Himmelsscheibe von Nebra, den Mittelberg. „Wenn man bedenkt, welch erfolgreiches touristisches Format allein um die Himmelsscheibe entwickelt wurde, sieht man noch deutlicher die großartige Möglichkeit, einen so umfangreichen archäologischen Fundkomplex wie den aus Schöningen vor Ort einer weltweit interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren.“ „Arche und Fundort sind dank ihrer guten museologischen Umsetzung trotz ihrer relativen Abgelegenheit so attraktiv, dass sie bisher jährlich einen Gewinn einfahren“, resümierte Prof. Müller-Beck im Nachgang: „Insgesamt stellt die Arche Nebra eine gelungene Vermittlung der dort gemachten Funde unter deutlicher Einbeziehung der Landschaft dar. Dies ergibt sich in Schöningen durch die Originale vor Ort noch weit direkter.“
Im Anschluss führte die Reise nach Halle in das Landesmuseum für Vorgeschichte, wo Prof. Meller die Gäste willkommen hieß. Mitreißend referierte er über die Erfolgsgeschichte der Arche Nebra und der Ausstellung in Halle sowie die damit einhergehenden Synergien auf Tourismus und Wirtschaft. „Es ist für uns von unschätzbarem Wert, dass Prof. Meller und seine Mitarbeiter auch in die Verwirklichung des Projektes Schöninger Speere einbezogen sind“, informierte der Schöninger Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier die Mitglieder des Fördervereins und bedankte sich für den freundlichen Empfang. Es folgte die Führung durch die Epochen Paläolithikum, Mesolithikum, Neolithikum und Frühbronzezeit: Die museologisch und gestalterisch einheitlichen Konzeptionen, die spektakulären Exponate und die mitreißende Führung durch die Ausstellung begeisterten die Delegation.
Mit einem durchweg positivem Eindruck und Vorfreude auf die Realisierung eines noch größeren Projektes in Schöningen traten die Fördervereinmitglieder nach einem hochinteressanten Tag schließlich ihre Heimreise an.
Niederländische Studenten bei archäologischer Arbeit im Schöninger Tagebau - Förderverein Schöninger Speere unterstützte die Gäste der Universität Leiden
Seit über 15 Jahren findet sich im Sommer bei den archäologischen Ausgrabungen im Schöninger Tagebau eine archäozoologische Forschergruppe um Professor Thijs van Kolfschoten ein. Gemeinsam mit ca. zehn seiner Studenten der Universität Leiden arbeitet der niederländische Wissenschaftler hier vor Ort. Jedes Jahr aufs Neue zeigt er sich von dem Fundkomplex im Tagebau begeistert. Zahlreiche Ablagerungsschichten, die in dieser Qualität nirgends sonst auf der Welt zu finden sind, bieten einzigartige Forschungsmöglichkeiten. So siebten, schlämmten und sichteten die Studenten vor kurzem ca. zehn Tage lang die verschiedenen Erdeschichtproben. Kleinste Funde mit größter Aussagekraft kamen so zu Tage. Die Arbeit in Schöningen ist für die Studenten ein wesentlicher Bestandteil ihrer Ausbildung.

In der Jugendherberge Schöningen lud der wissenschaftliche Grabungsleiter Dr. Jordi Serangeli die Mannschaft um Prof. van Kolfschoten zu einer Präsentation ein, die einen Überblick über das gesamte Projekt Schöningen gab. Dabei berichtete er über die enge Zusammenarbeit zwischen dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Universität Tübingen, über die Fortführung der Ausgrabung und über die Fortsetzung der interdisziplinären Forschungen im vergangenen Jahr. Eng arbeite man beispielsweise mit Geologen, Archäozoologen und Paläobotanikern zusammen. Zeitgleich mit Prof. van Kolfschoten forschte beispielsweise der Botaniker Prof. Charles Turner von der Universität Cambridge vor Ort. Beide Wissenschaftler berichteten vom herausragenden Stellenwert des Projektes Schöningen in der internationalen Fachliteratur.
Dr. Serangeli war es weiterhin ein wichtiges Anliegen, die hervorragende Arbeit der sechs Ausgräber aus Schöningen zu unterstreichen, die seit Jahren bei jedem Wetter, sowohl im Winter wie auch im Sommer, auf der Fundstelle arbeiten. „So erfahrene und engagierte Ausgräber wie hier in Schöningen sind in Deutschland selten“, weiß er aus Erfahrung zu berichten. Van Kolfschoten und seine Studenten nutzten den Rahmen der Präsentation, um sich für die Unterstützung des Fördervereins Schöninger Speere und der Stadt Schöningen zu bedanken. Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier und Rolf-Dieter Backhauß, 1. stellvertretender Vorsitzender, waren der Einladung gern gefolgt. Auch in diesem Jahr konnte der Förderverein dank der Unterstützung des Projektpartners E.ON die Unterkunfts- und Verpflegungskosten für die Studenten übernehmen. „Die Ergebnisse Ihrer Arbeit werden ebenfalls in das in Kürze entstehende Forschungs- und Erlebniszentrums einfließen“, so Rolf-Dieter Backhauß. „Wir freuen uns sehr, dass die Studenten der Universität Leiden die Arbeiten an der Ausgrabungsstätte jedes Jahr unterstützen.“
Ihre Heimreise traten die niederländischen Gäste übrigens mit ungewöhnlichem Gepäck in Form mehrerer hundert Kilo sorgfältig abgetragenen Materials an, das in Leiden von den Studenten unter dem Mikroskop untersucht, dokumentiert und präpariert wird. Ein Jahr wird diese aufwendige Arbeit in Anspruch nehmen.

Bildunterschrift: Die niederländischen Gäste mit dem wissenschaftlichen Grabungsleiter Dr. Jordi Serangeli (1. Reihe, 1. v. li.), Prof. Thijs van Kolfschoten (1. Reihe, 3. v. re.), Prof. Charles Turner (2. Reihe, 1. v. re.), Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier (2. Reihe, 3. v. re.) und Rolf-Dieter Backhauß (2. Reihe, 4. v. re.).

Schöningen, 16. Juni 2008
Mitglieder des Fördervereins Schöninger Speere informierten sich auf der Jahreshauptversammlung – Projekt „Schöninger Speere“ steht auf einem sicheren Fundament
Über die ereignisreichen vergangenen Monate berichtete der Vorstand des Fördervereins Schöninger Speere - Erbe der Menschheit e.V. im Rahmen der Mitgliederversammlung am 9. Juni 2009 im Herzoginnensaal des Schöninger Schlosses.

Zahlreiche Mitglieder waren der Einladung gefolgt. Der Vorsitzende Dr. Wolf-Michael Schmid ließ für die interessierten Zuhörer die Geschehnisse seit der öffentlichen Vorstellung der Machbarkeitsstudie „Projekt Schöninger Speere“ noch einmal Revue passieren. Innerhalb kürzester Zeit sei die Verwirklichung in greifbare Nähe gerückt. Mit der unabhängigen Studie wurde 2008 ein festes Fundament für die Realisierung eines qualitativ hochwertigen Präsentationsformates geschaffen. Durch die Zusicherung des Grundstücks am Tagebau seitens der Landesregierung sei ein weiterer Pfeiler für die Realisierung gesetzt wurden. Als die durch die weltweite Finanzkrise notwendig gewordene Ankurbelung der Konjunktur auf Landesebene umgesetzt werden sollte, konnte der Förderverein ein ausgereiftes Format vorlegen, das perspektivisch einen wichtigen Baustein in der kulturtouristischen Erschließung und im Strukturwandel der gesamten Region darstellen wird. 15 Millionen Euro werden für die Umsetzung zur Verfügung gestellt. Derzeit laufen die Vorbereitungen in enger Abstimmung mit der Landesregierung.

Bürgermeister Matthias Wunderling-Weilbier nutzte den Anlass, um sich für das herausragende ehrenamtliche Engagement des Fördervereins zu bedanken. Schon jetzt seien erste Synergieeffekte in Schöningen zu spüren. Die Stadt werde überregional wahrgenommen. Die positive Imagewirkung lockt Events, wie beispielsweise den täglich bis Ende des Monats in Schöningen gastierenden VW Polo-Kongress in die Stadt der Speere.
Auch vor dem Hintergrund des entstehenden Forschungs- und Erlebniszentrums sei Schöningen in das Förderprogramm Stadtumbau West aufgenommen wurden. In den kommenden Jahren werden die kulturtouristischen Angebote in der Innenstadt weiter ausgebaut. In Kürze beginne mit der Sanierung der oberen Niedernstraße ein wichtiger Abschnitt, so der Bürgermeister.

Auch die Zahl der Unterstützer des Projektes steigt konstant. So berichtete Schatzmeister Peter Link von einem Mitgliederanstieg von 35 Prozent seit 2007.
Bildunterschrift: (von links) Rolf-Dieter Backhauß, 1. stellvertretender Vorsitzender, Dr. Wolf-Michael Schmid, 1. Vorsitzender, Matthias Wunderling-Weilbier, Bürgermeister der Stadt Schöningen, Eckhard Hoßbach, 2. stellvertretender Vorsitzender, Peter Link, Schatzmeister

Schöningen, 10. Juni 2009
„Archiv der Erdgeschichte“ - Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt am Main und Landesamt für Denkmalpflege Hannover konservieren 50 Millionen Jahre alte Vegetationsspuren im Schöninger Tagebau
Aus der Erdgeschichte sind eine Reihe von „Treibhausphasen“, d.h. Zeiträumen ohne Spuren einer Vereisung, und zwischengeschaltete Eiszeitphasen mit umfangreichen Vereisungen bekannt. Die bislang letzte und noch nicht vom Menschen beeinflusste Treibhausphase fand ihren Höhepunkt im älteren Tertiär (Paläogen) vor etwa 50 Millionen Jahren an der Wende vom Paleozän zum Eozän und klang dann im Laufe von mehr als zehn Millionen Jahren langsam und mit mehrfachen kurzfristigen Unterbrechungen aus.
Während des Paläogen wurden in einem Ästuar, d.h. einer weiten Flussmündung, die sich zwischen dem Flechtinger Höhenzug und dem Harz bis in die Gegend von Halle und Leipzig erstreckt hat, die Ablagerungen des Braunkohlenreviers von Helmstedt und Schöningen gebildet. Dabei öffnete sich diese so genannte „Helmstedter Bucht“ zum Ur-Nordseebecken hin. Hier führten im Spannungsfeld von Land und Meer Meeresspiegelschwankungen und Sedimentzufuhr über einen sehr langen Zeitraum zu einem ständigen Wechsel von Meeresbedingungen und festländischen Bedingungen. Die ständige Absenkung des Untergrundes führte gerade in diesem Gebiet zu einer durchgehenden Überlieferung der betreffenden Ablagerungen. So haben die Tagebaue des Braunkohlenreviers von Helmstedt und Schöningen in weltweit einmaliger Art und Weise ein Archiv mit einer nahezu vollständige Folge von Ablagerungen des Übergangsbereiches Land-Meer aus dem Zeitraum vom ausgehenden Paleozän bis in das Mitteleozän, d.h. von vor mehr als 55 bis etwa 45 Millionen Jahren vor heute, erschlossen. Die Profile, die zur Zeit noch in den Tagebauen bei Schöningen zugänglich sind, bieten die wohl weltweit einmalige Chance, in einer solchen Situation die Klimaentwicklung über mindestens zehn Millionen Jahre aus der Treibhaus-Phase des Paläogen hochauflösend und unter modernsten Gesichtspunkten zu untersuchen. Besonders interessant, insbesondere im Vergleich zu den möglichen Auswirkungen des derzeit durch den Menschen kurzfristig hervorgerufenen Treibhauseffektes ist dabei, dass in diesen Ablagerungen offensichtlich auch der Zeitraum einer erdgeschichtlich sehr kurzfristigen und extremen Klimaerwärmung vor etwa 55 Millionen Jahren an der Wende vom Paleozän zum Eozän, das so genannte „Paleocene-Eocene Thermal Maximum (PETM)“, überliefert ist.

Für die Bedeutung des Archivs von Schöningen ist entscheidend, dass die derzeit verbreiteten „Klimakurven“ für das Eozän fast ausschließlich auf Daten für die Temperatur des Ozeanwassers beruhen, die aus Tiefseeablagerungen gewonnen wurden. Im Helmstedter Revier bietet sich nun die seltene Chance, diese Daten mit Beobachtungen aus dem Land-Meer-Übergangsbereich zu verknüpfen. Dabei ergeben sich aus der Entwicklung der Vegetation, die sich über die in den Ablagerungen eingeschlossenen Pollenkörner und Sporen rekonstruieren lässt, sowie aus der Zusammensetzung der Kohlen Anhaltspunkte die darauf hindeuten, dass die Luftfeuchtigkeit im Mitteleozän deutlich höher lag, als im Untereozän. Derartige Erkenntnisse, bei denen auch das Vorhandensein bzw. Fehlen von Hinweisen auf Feuer eine wichtige Rolle spielt, können in dieser Vollständigkeit nur hier gewonnen werden.
Einer der Höhepunkte der letztjährigen Geländesaison im Tagebau Schöningen war die Entdeckung von Beständen Seegras-artiger Pflanzen, die an Ort und Stelle ihres Wachstums aufrecht im Sand überliefert sind. Weiterhin hat der Wind eine Sandschicht frei geweht, in der zahlreiche Stümpfe von Palmen, die vor etwa 50 Millionen Jahren offensichtlich am Rande der Bucht in Form eines Palmenstrandes gewachsen sind, ebenfalls an Ort und Stelle überliefert sind.

Diese Befunde sowie eine weitere Schicht, in der möglicherweise die Ablagerungen eines Sturmes oder sogar eines Tsunami erkennbar sind, werden zur Zeit in Kooperation zwischen dem Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt am Main und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Hannover als so genannte Lackfilme konserviert und geborgen. Im Rahmen dieser Kampagne, die auf Vermittlung des Fördervereins „Schöninger Speere“ hin durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Braunschweigischen Landessparkasse Helmstedt und der Landesregierung sowie die technische Unterstützung durch den Betreiber des Tagbaues, E.ON Kraftwerke, ermöglicht wurde, wird auch eine Säule aus einem der Flöze herausgearbeitet und durch Eingipsen gesichert. Später können diese Präparate dann für Ausstellung und Forschung gleichermaßen genutzt werden; eine erste Ausstellung ist bereits für den Herbst 2009 in Schöningen geplant.

Dr. habil Volker Wilde, Prof. Walter Riegel
Schöningen, 22. April 2009
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